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ICH GEBE AUF


Ehrlich, ich habe es mit allem versucht: Mit Geduld, kühlem Blut und eine Runde Extreme-Zen-Buddhismus. Aber am Telekomladen bei mir um die Ecke beiße ich mir die Zähne aus. Es ist vollkommen zwecklos. Weil der Laden auch eine Geschäftskundenstelle hat, stand ich schon öfter darin. Ich habe hier schon 20 Minuten gewartet, 30 Minuten und einmal eine volle Stunde. Zum Zuge gekommen bin ich nie.

Jetzt also ein neuer Versuch. Ich will VDSL beantragen. Ich bin fest entschlossen. An der Kasse steht ein Typ im Anzug und führt gerade einen Umtausch durch. Ich bin vermutlich gleich dran. Sechs Minuten später ist Premiere. Zum ersten Mal seit acht Jahren werde ich in diesem Laden bedient.

Ich sage also mit gebührender Feierlichkeit: Ich möchte VDSL beantragen. Der Mann  erwidert, dass er gleich jemanden schicke. Und weg ist er.

Ich warte und sehe mich um. Ein Typ im Anzug, der zum Laden gehört, spielt am angeketteten I-Phone herum. Ich kenne den Fritzen schon vom Sehen. Meistens geht er auf Kunden zu, hört sich ausführlich ihre Fragen, Bedürfnisse und Wünsche an. Dann verkündet er, dass gleich jemand komme. Er sei eben nur von der Security.  Wenn das I-Phone auf die Seite gedreht wird, dreht sich das angezeigte Foto mit um. Diesen Vorgang praktiziert er jetzt immer wieder.


Mittlerweile füllt sich der Laden mit Kunden. Schließlich kommt mein Anzugmann zurück. Er nimmt sich jetzt doch selbst der Sache an.
VDSL sagt er.
Ich nicke.
Wir müssen erst einmal feststellen, ob VDSL überhaupt bei Ihnen möglich ist.
Ich erkläre ihm, dass ich in einem frühen Beratungsstadium bereits eine positive Auskunft telefonisch erhalten habe.

Er will meine Nummer, tippt sie langsam ein.
Ich kann Sie nicht finden, sagt er.
Komisch, meine ich.
Haben Sie vielleicht einen Anlagenanschluss?
Ich bejahe.
Ja, ruft er fast erleichtert, dann kann ich Sie nicht finden.  Das macht ein extra Abteilung. Ich leite denen Ihren Wunsch mit. Die melden sich dann bei Ihnen.
Wozu? frage ich. Ich möchte das jetzt unter Dach und Fach bringen.
Die rufen Sie an, sagt er noch einmal. Gleich am Montag.
Wozu leiten Sie meine Nummer weiter? frage ich. Anrufen kann ich selbst. Und kostenlos dazu.
Immer mehr Leute strömen in den Laden. Der andere spielt immer noch mit dem I-Phone. Sein Mund steht dabei offen.
Tjaha, sagt der Anzugmann, wenn aber  i c h  das mache, ist das sicherer. Sie kommen vielleicht nicht durch.
Er scheint wirklich davon überzeugt zu sein, dass er mir den best möglichen Service bietet. An mir ziehen alle meine  Erlebnisse in diesem Laden wie ein Film an mir vorüber. Frustriert schicke ich mich an, den Laden zu verlassen. Da trennt sich der Securitytyp von seinem heißgeliebten Spielzeug, hechtet zur Tür und hält sie mir auf.
Nicht nötig, knurre ich.
Sonst machen Sie mich doch arbeitslos, erwidert er.

PS: Angerufen hat mich bis heute niemand.



















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LAST UPDATE 07.11.2006