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Hotelo (3)


Blubb, platsch, klatsch

Im Keller des Hotels H.. Ein Wellnessbereich. Mit Bodybuilding- und Trainingsareal, Sauna, Dusche und einem Pool. Der ist allerdings nicht groß. Etwa 2,50 Meter x 5-6 Meter. Der Vater steigt mit seinen Söhnen hinein. Der 15jährige kommt beinah mit einer Schwimmbewegung durchs ganze Becken. Der 11jährige planscht, klatscht und will reinspringen. Der Vater kann ihn gerade davon noch abhalten und weist ihn in einer gepressten, tonlosen Weise mit gestrengen Blick zurecht. Der Grund: Es
ist wahnsinnig laut. Das kleinste Geräusch, der kleinste Freudenausruf im
Wasser zu sein, hallt um ein vielfaches so laut von den Wänden.
Vor dem Becken sitzen die Gäste in Wellness-Bademänteln, auf Wellness-Liegestühlen, blättern in Wellness-Zeitschriften und schlürfen einen Wellnessweißwein oder einen Wellnesssaft. Sie brauchen Ruhe. RUHE.
Aber allein zu dritt im Wasser zu sein, macht so einen Radau, daß eine der Saunabetreuerinnen, ganz in weiss, mit einem Wischmob als Alibi mal nachsieht, was da so los ist. Bevor sich die anderen Gäste beschweren.
Die Drei schwimmen. Der 11jährige freut sich, hin und wieder entfährt ihm ein Laut.
Der Vater schaut streng, als könnte er mit Blicken Waldbrände löschen. Die einzige Möglichkeit, den Jungen zur Ruhe zu bringen, wäre jetzt das Becken zu verlassen.
Immer wieder tauchen überfettete Wellnessdamen ins Wasser ein, rufen kurz "Huch", was ebenfalls wiederhallt wie blöde, oder schlanke Männer schwimmen ihre Minibahnen. Ein schlanker 45jähriger drückt einen den Kindern bisher verborgenen Knopf. Sofort startet ein Gegendruck. Der Mann krault wie Mark Spitz. Bleibt aber immer auf der Stelle. Sieht schwachsinnig aus. Der Krach ist gewaltig. Als er das Becken verläßt, erscheint schon wieder die weiße Lady mit einem Mob.
Dann kommt ein bayrischer Junge. Ganz allein. Er schreit, kreischt, platscht und klatscht. Er stellt den Wasserfall ein. Jetzt hört sich das nach einer Mischung aus Dschungelwasserfall und "Apocalypse Now" an. Der Junge spielt mit dem elfjährigen Sohn und wird immer lauter. Ohrenbetäubend.
Nun erscheint die Mitarbeiterin noch einmal und nimmt den Vater ins Visier.
"Bitte, das ist ein Wellnessbereich. Wir brauchen hier Ruhe. Das ist kein Spielplatz."
Der Vater nickt geflissentlich. Na klar. Stimmt ja. Kinder, wir wollen leise sein.
Wollen wir?
Warum eigentlich?





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LAST UPDATE 07.11.2006